Was ist Neurodoping?

Der wachsende Leistungsdruck im Beruf, in der Schule und an der Uni hat seit einigen Jahren zu einem neuen Trend geführt: dem Neurodoping. Mit dem Begriff Hirndoping, Neurodoping oder Neuro-Enhancement wird die Einnahme von psychoaktiven Substanzen zur Leistungssteigerung bezeichnet. Das pharmakologische Neurodoping verspricht dem Anwender gesteigerte Konzentrationsfähigkeit, geringere Ermüdungserscheinungen und müheloses Arbeiten. Das klingt vielversprechend. Und tatsächlich hat sich in den letzten Jahren die „Leistungssteigerung per Pille“ in gewissen Kreisen immer stärker durchgesetzt. In unserer schnelllebigen Zeit nimmt der Konkurrenzkampf im Business und am Arbeitsplatz immer mehr zu. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen versuchen, sich durch chemisch bewirktes Neurodoping einen Vorteil am Arbeitsmarkt zu sichern. Dabei wird oft übersehen, dass die Sache mit der Leistungssteigerung per pharmakologischem Neurodoping ein zweischneidiges Schwert ist.

Gebräuchliche Substanzen und Medikamente zum pharmakologischen Neurodoping

hqdefaultLaut einer Studie der DAK benutzten 2015 rund drei Millionen Deutsche psychoaktive Medikamente, um ihre Arbeitsleistung zu steigern. Obwohl es sich immer um Arzneimittelmissbrauch handelt, wenn psychoaktive Substanzen aus nicht medizinisch indizierten Gründen eingenommen werden, ist die Tendenz zur Leistungssteigerung „per Pille“ permanent ansteigend. Die verwendeten Substanzen reichen von Antidepressiva über Psychostimulanzien bis hin zu Betablockern und Antidementiva.

Der absolute Renner ist momentan Modafilin, ein „Wachmacher“, der seit 1992 zur Behandlung von Narkolepsie, Schichtarbeitersyndrom und Schlafapnoe auf dem Markt ist. Modafilin hat eine ähnliche Wirkung wie Amphetamin, das im zweiten Weltkrieg als „Kanonen-Schokolade“ an Soldaten verabreicht wurde, um Ängste zu hemmen und ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Anfänglich fiel das Medikament Modafilin unter das Betäubungsmittelgesetz, wurde aber 2008 daraus entlassen, weil das Missbrauchsrisiko als gering eingestuft wurde.

In Amerika ist das Antidepressivum Fluoxetin die Nummer eins auf der Hitliste im Neurodoping. Fluoxetin ist ein Stimmungsaufheller, der dem gesunden Anwender scheinbar jederzeit seine „Happy Hour“ garantiert. In Wissenschaftlerkreisen wird außer Modafilin und Fluoxetin auch verstärkt das unter das Betäubungsmittelgesetz fallende Methylphenidat eingesetzt. Eigentlich wurde Methylphenidat zur Behandlung von ADS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung) konzipiert. Aber offensichtlich verwenden es gesunde Personen auch als Beruhigungsmittel und zur Konzentrationssteigerung.

Pharmakologisches Neurodoping: Pro und Kontra

Die Effektivität von pharmakologischem Neurodoping konnte bisher nur für drei pharmakologische Substanzen durch wissenschaftlichen Studien bewiesen werden. Coffein, Modafilin und Methylphenidat steigerten in entsprechender Dosierung tatsächlich vorübergehend die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der Probanden. Allerdings liegt die Leistungssteigerung lediglich auf der logisch-kognitiven Ebene. Kreative Intelligenz, die zum Bewältigen komplexer Problemstellungen benötigt wird, lässt sich durch Neurodoping nicht beeinflussen. Zudem beinhaltet die missbräuchliche Einnahme von psychoaktiven Substanzen ein nicht geringes Gesundheitsrisiko: Abgesehen von der Gefahr psychischer Abhängigkeit können die meisten psychoaktiven Medikamente ernsthafte Nebenwirkungen verursachen. Angefangen von Bluthochdruck über Herzrasen, Atembeschwerden, Hautreaktionen und psychischen Manifestationen wie Angstzuständen, Selbstüberschätzung und neurotischem Verhalten kann pharmakologisches Neurodoping weitaus mehr als nur die gewünschten Effekte produzieren.